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Økodag – wenn Kühe glücklich sind

24. Mai 2018

Geschrieben vonTorben
FrühlingTraditionen & FesteNatur & Küste

# Økodag in Dänemark: Wenn Kühe tanzen und Kinder Stockbrot wollen

Um Punkt zwölf standen auf Broagerland ungefähr 3000 Menschen vor einem Gatter und warteten darauf, dass 100 Kühe die Fassung verlieren.

Das klingt erst einmal nach einer sehr speziellen Form der Freizeitgestaltung. Ist es auch. Aber es ist Økodag in Dänemark, und wer einmal gesehen hat, wie Milchkühe nach dem Winter zum ersten Mal wieder auf die Weide dürfen, versteht sofort, warum Dänen dafür ein eigenes Wort haben: **ko-dans**.

Kühe tanzen.

Nicht elegant. Nicht koordiniert. Nicht mit Taktgefühl.

Aber sehr überzeugend.

## Weihnachten, nur mit mehr Stroh

Økodag ist im Grunde das Weihnachtsfest der Milchkühe.

Monatelang standen sie im Stall, während draußen Wind, Regen und dänische April-Launen vorbeizogen. Und dann kommt dieser eine Tag, an dem auf vielen Biobetrieben im ganzen Land die Stalltüren aufgehen und die Tiere wieder rausdürfen.

In diesem Jahr machten 72 Biohöfe daraus ein kleines Fest. Kein großes Spektakel mit Bühne, Moderation und allem, was Menschen erfinden, wenn sie etwas eigentlich Schönes komplizierter machen wollen.

Eher: offener Bauernhof, Kinder in Gummistiefeln, Eltern mit Kaffee, Stroh in Jackentaschen, Würstchen auf dem Grill und eine spürbare Erwartung in der Luft.

So eine Erwartung, wie kurz vor einem Gewitter.

Nur mit mehr Muhen.

## Stensigmose liegt praktischerweise um die Ecke

Wir waren auf dem Biohof Stensigmose auf Broagerland, ganz bei uns um die Ecke. Das ist einer dieser Vorteile, wenn man in Südjütland unterwegs ist: Man fährt nicht „zu einem Event“, man fährt ein paar Minuten durchs Land und steht plötzlich mitten drin.

Auf Stensigmose war es herrlich unkompliziert. Man konnte durch den Stall gehen, die Tiere anschauen, im Stroh spielen, es roch nach Bauernhof, also ehrlich gesagt nach Bauernhof, und überall liefen Familien herum, die aussahen, als hätten sie ihren Sonntag genau richtig entschieden.

Die Kinder waren sofort verschwunden.

Das ist meistens ein gutes Zeichen.

## Stockbrot ist stärker als jede Pädagogik

Mein Sohn steuerte zielgenau auf das Stockbrot zu.

Es gibt Dinge, gegen die man als Vater nicht ankommt. Vernünftige Erklärungen über ökologische Landwirtschaft gehören dazu. Auch Hinweise wie „Guck mal, da sind die Kühe“ verlieren gegen Teig an einem Stock.

Pfadfinder verkauften Stockbrot und Würstchen, natürlich Ringriderpølser, und irgendwo bekam man von Naturmælk kleine Milchtüten und Joghurt. Es war diese sehr dänische Mischung aus organisiert und entspannt.

Niemand wirkte gehetzt.

Niemand schrie in ein Mikrofon.

Niemand versuchte, aus einem Bauernhofbesuch ein Erlebnisformat zu machen.

Es war einfach genug da. Stroh. Tiere. Essen. Kinder, die Dinge anfassen wollten. Eltern, die „nicht so weit weg“ sagten und dabei selbst nicht genau wussten, wohin sie eigentlich meinten.

Mein Sohn saß irgendwann probeweise auf einem ATV.

Das war ein Fehler.

Nicht von ihm. Von uns.

Seitdem brauchen wir offenbar auch so ein Ding. Für den Garten, für Fanø, für „falls man mal was transportieren muss“. Ich sehe schon, wie aus dieser Idee ein Projekt wird. Mit Vergleichstabelle.

## Um zwölf wurde es kurz still

Kurz vor zwölf sammelten sich alle an der Weide.

3000 Menschen können erstaunlich leise werden, wenn sie auf Kühe warten. Vielleicht, weil alle wissen: Gleich passiert etwas, das man nicht inszenieren kann.

Das Gatter ging auf.

Erst kamen ein paar vorsichtige Schritte. Dann ein Sprung. Dann noch einer. Und plötzlich war da dieses herrlich unordentliche Durcheinander aus Beinen, Köpfen, Schwänzen und viel zu großen Körpern, die für einen Moment vergaßen, dass sie eigentlich schwere, erwachsene Rinder sind.

Sie rannten.

Sie hüpften.

Sie machten kleine Bocksprünge, als hätten sie heimlich geübt.

Ko-dans.

Der Tanz der Kühe.

Es war nicht niedlich im Postkarten-Sinn. Es war besser. Es war roh, komisch, lebendig und ein bisschen absurd. So, als hätte jemand die Freude selbst auf vier Beine gestellt und ihr ein sehr breites Hinterteil gegeben.

## Kinder sehen immer das Wesentliche

Während ich noch versuchte, innerlich irgendeinen hübschen Satz über Freiheit, Frühling und dänische Landwirtschaft zu formulieren, sah meine Tochter die Lage deutlich nüchterner.

„Mor – man kan se deres røv.“

Man kann ihren Arsch sehen.

Damit war eigentlich alles gesagt.

Kinder sind gnadenlos gute Beobachter. Sie schneiden direkt durch jede erwachsene Bedeutungsschicht und landen bei dem, was wirklich vor ihnen steht.

In diesem Fall: glückliche Kühe mit exponiertem Hinterteil.

Ich liebe solche Momente, weil sie einen wieder auf den Boden holen. Gerade wenn man dabei ist, etwas zu romantisieren. Ja, es war schön. Ja, es war berührend. Ja, diese Tiere sahen wirklich aus, als würden sie sich freuen.

Und ja, man konnte ihren Arsch sehen.

Beides stimmt.

## Warum das so gut nach Dänemark passt

Vielleicht mochte ich Økodag so sehr, weil er nichts vorgibt, was er nicht ist.

Es ist kein perfektes Familienprogramm. Es gibt Matsch. Es gibt Wartezeit. Es gibt Kinder, die genau dann müde werden, wenn man denkt, jetzt könnte man vielleicht noch gemütlich irgendwo langschlendern. Es gibt Stroh im Schuh und vermutlich auch im Auto, wo es sich bis zum Sommer hält.

Aber genau das macht es gut.

Dänemark kann diese kleinen, einfachen Dinge oft besser als viele andere Orte. Ein Hof öffnet seine Türen. Menschen kommen. Kinder klettern ins Stroh. Kühe laufen auf die Weide. Jemand verkauft Würstchen. Am Ende fährt man nach Hause und hat das Gefühl, etwas Echtes gesehen zu haben.

Nicht groß.

Nicht glatt.

Nur echt.

Und für einen kurzen Moment versteht man, warum ein ganzes Land um zwölf Uhr auf Kühe wartet.

## Wenn ihr Økodag selbst erleben wollt

Økodag findet jedes Jahr im Frühjahr statt, meistens im April. Die teilnehmenden Biohöfe werden vorher online bekanntgegeben, und viele Familien planen den Tag fest ein. Wer mit Kindern in Dänemark unterwegs ist, sollte sich das ruhig einmal anschauen.

Nicht, weil man danach alles über ökologische Milchproduktion weiß.

Sondern weil Kinder Bauernhöfe nicht aus Erklärungen verstehen. Sie verstehen sie, wenn sie Stroh in der Hand haben, wenn eine Kuh plötzlich losspringt, wenn ein Trecker größer ist als gedacht und wenn sie abends müde im Auto sitzen und noch nach Rauch, Wiese und Würstchen riechen.

Unsere beiden waren jedenfalls glücklich.

Und müde.

Eine hervorragende Kombination.

## Am Ende blieb ein kleines Muhen im Kopf

Auf der Rückfahrt war es im Auto erstaunlich ruhig.

Das passiert selten und wird von mir nicht hinter

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